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März 08, 2010

Bonner Zwischenrufe

veroeffentlicht in: historie,res publica

Das Zwischenrufen während einer Parlamentssitzung war in der Bonner Republik eine hohe Kunst.

Konrad Adenauer lieferte sich z. B. seinerzeit einen Stellungskrieg mit dem Kommunisten Heinz Renner. So sagte der Kanzler einmal: „Das Grundgesetz, an dem ich ja auch mitgearbeitet habe.“ Darauf Renner: „So sieht’s auch aus.“ Adenauer: „Sie haben doch auch mitgearbeitet.“ Renner: „Ich habe es abgelehnt.“ Adenauer: „Ich möchte doch hier zur Ehre des Herrn Kollegen Renner feststellen, dass er in den Ausschüssen sehr nett und fleißig am Grundgesetz mitgearbeitet hat.“ Renner: „Um ihm einige Zähne auszubrechen.“ Darauf der Sozialdemokrat Carlo Schmid: „Die sind nur plombiert.“

Carlo Schmid – neben Wehner und Strauß einer der größten Zwischenrufer – donnerte einst in den Plenarsaal: „Machen Sie bitte keine Zwischenrufe, sonst antworte ich Ihnen.“ Das hatte Schneid.

Seitdem die Regierung das katholische Rheinland ver- und sich im protestantischen Preußen niedergelassen hat, ist auch die Streitkultur dahin. Während in der ersten Legislaturperiode noch 159 Ordnungsrufe verteilt wurden, waren es in der letzten nurmehr fünf. Alles preußisch wohlgeordnet und irgendwie lattemachiatohaft, wie die aktuelle Generation von Abgeordneten, die eben gerne im Berliner Café Einstein abhängt.

Darum hat Lydia Harder einen Nachruf auf den Zwischenruf verfasst. Prädikat lesenswert!

Luur ooch von Mark


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