Von der Kunst zur Küche
Leonardo. Welch Name! Welch Referenz auf das italienische Genie. Welch Neugier und Erfindungsgeist wohnt diesem Name inne, der bis heute seinesgleichen sucht. Und welch Wagemut, mit dem sich ein gleichnamiges Restaurant in den gastronomischen Reigen begibt, denn es wagt einen Start mit gleich mehreren Hypotheken. Das war dem Restaurant auf dem Bonner Talweg anfangs auch durchaus geglückt. Großartiges Essen! hatte ich mir bei meinem letzten Besuch vor drei Jahren notiert. Endlich ein Ort, an dem man kreative mediterran-deutsche Küche in toller Qualität zu bezahlbaren Preisen erhält und eine gute Weinauswahl gleich dazu.
Vielleicht hatten wir einfach nur Pech, aber ich fürchte, es war kein Zufall, dass bei jedem der diesmal georderten Gerichte der Eindruck entstand, dass auch dort nun eine neue Ära eingetreten ist: Hohe Preise, lieblose Kost. Hört sich die Zusammenstellung noch attraktiv an, lässt die Ausführung zu wünschen übrig. Denn bei einem Vorspeisenteller für 12€ erwarte ich, dass die Aubergine nicht dick geschnitten und mit billigem Öl zu einer geschmacklosen Wabbelmasse bereitet wird. Dann erwarte ich, dass die gefüllten Champignons darauf eine entschlossene Füllung erhalten und nicht nach Restemix schmecken. Dass der Mozzarella aus Büffelmilch ist und die Tomatenscheibe darauf nicht schon seit Ewigkeiten aufgeschnitten im Kühlschrank herumgammelt. Immerhin wurde reichlich Zeit auf die Produktion von Tete-de-Moine-Röschen verwendet.
Der gegrillte Ziegenkäse auf Salat war frisch und lecker, der Salat selbst, angekündigt als ein gemischter Blattsalat, allerdings nicht der Rede und erst recht nicht sein Geld wert. Das Dressing – hm, ein weniger spektakulärer Name und dafür mehr Geschmack hätte mir besser gefallen.
Die Pasta ist angeblich frische Sassella-Pasta und es ist mir ein Rätsel, wie man sie, zumal bei wenig Betrieb, verkochen kann. Dazu eine Soße, die verdächtig nach Geschmacksverstärker schmeckte, wenn nicht gar Maggi oder Fertigmix im Spiel war. Die Krabben in der zweiten Pasta hatten sicherlich ein kurzes Leben, aber sie hätten sich gefreut, wenn es wenigstens in einer liebevoll abgeschmeckten Soße ein Ende gefunden hätte.
Der Wein: ach ja, die Rechnung deutscher Gastronomen (Flaschenpreis gleich Glaspreis) spricht ja doch immer Bände. Und immer wieder fällt man darauf ein. Und ebenso häufig bewahrheitet sie sich: ein Tempranillo, der geschmacklich kaum zu fassen war, kaum Duft verströmte und so gar keine STruktur aufwies. Muss der wirklich 4,20€ das Glas kosten? Das waren auch mal acht Mark, und die hätte ich in dieser öden flüssigen Form dem Kellner sofort wieder zurückgegeben.
Zusätzlich war der Service zwar nett, aber nicht besonders aufmerksam. Schade, dass dieses einst kulinarische Kleinod sich so unkreativ präsentiert hat. Hoffen wir, dass es sich nur um eine künstlerische Schaffenspause handelt; die hatte Leonardo sicherlich auch.
Leonardo, Bonner Talweg.
Luur ooch von Julia
- Weber und Beckmann: Selbstironie in Blond und Braun - October 15th, 2007
- Na, was schmeckt denn da? - July 31st, 2007
- Wovon Admins träumen - July 27th, 2007
- Buffet Chang: Das Grauen hat einen Namen - June 25th, 2007
- Frühling: Wieder Hautpstadt werden! - March 27th, 2007
- In the Mood of Jazz: Kathrin Scheer und Band im Jazzkeller - March 27th, 2007
- World Beat Party - March 6th, 2007
- Worldbeatparty: Die Dritte - February 9th, 2007
- Oh mei, Maya - February 7th, 2007
- DHL ePaket oder: die Lizenz zum Gelddrucken - January 30th, 2007











