Konzept wider die Sinnhaftigkeit
Ab Juni Alkoholkonsum im Bonner Loch verboten
18.03.2008
Bezirksvertetung Bonn tagt öffentlich-Ab 1. Juni soll der Alkoholkonsum im Bonner Loch verboten werden. Eine ordnungsbehördliche Verordnung über das Alkoholkonsumverbot im Bonner Loch haben die Bürgerdienste der Stadt Bonn erarbeitet. Sie wird jetzt den Ratsgremien zur Beschlussfassung vorgelegt. Zunächst beschäftigt sich die Bezirksvertretung Bonn in ihrer Sitzung am Dienstag, 1. April, mit dem Thema.
Am 10. April ist die Verordnung Thema im Hauptausschuss und am 17. April soll der Rat den Beschluss fassen.Die Verordnung gilt für die Innenstadt zwischen den Straßen Am Hauptbahnhof, Thomas-Mann-Straße und Maximilianstraße. In diesem Bereich wird es dann verboten sein, alkoholische Getränke zu konsumieren und mit sich zu führen, wenn erkennbar ist, dass sie vor Ort getrunken werden sollen. Das gilt auf allen öffentlich zugänglichen Flächen, für die keine Gaststättenkonzession vorliegt.
Die Sozialverwaltung bereitet derzeit begleitende Maßnahmen zu dieser Verordnung vor, um eine Verdrängung in andere Bereiche der Innenstadt zu vermeiden. Unter Federführung des Sozialdezernates erarbeitet eine Arbeitsgruppe aus Polizei, Bürgerdiensten, der Sozialverwaltung und freien Trägern ein Konzept. Es soll dem Sozialausschuss in seiner Sitzung am 22. April vorgelegt werden. Bonn.de
Ehrlich gesagt, ich bin so fassungslos, dass ich kaum weiß wo ich anfangen und wo ich aufhören soll mich aufzuregen, denn eines steht doch wohl fest, Probleme lassen sich so nicht lösen. Der Handel wird sich freuen, soviel ist sicher. Im gruseligen Bonner Loch keine Säufer, Junkies, Penner mehr. Aufgeräumte bürgerliche Hübschheit vor aufgeräumt, hübsch bürgerlichen Geschäften.
Kioskbesitzer, die ohnehin am ganzen Elend Schuld sind (Sündenböcke jagen kann so einfach sein, böse Menschen trinken Alkolhol, noch bösere verkaufen ihn), baden in Existenzängsten und Säufer, Junkies, Penner verteilen sich aus dem Loch hinaus in die Wohngebiete. Da stört es dann auch nicht mehr, zumindest stört es da niemanden mehr, der finanzkräftigen Druck auf die Stadt ausüben kann. Die Kölnstrasse kann mit Sicherheit schon mal ein Willkommen-Schild aufstellen, Imbiss 2000 sollte darüber nachdenken einen Biergarten anzubauen.
Doch lösen, lösen lässt sich so weder die Problematik noch die zunehmende Verelendung/Verwahrlosung an sich.Da fragt man sich doch wirklich in welcher Pokerrunde das ausgeknobelt wurde, man meint förmlich fleischig feiste Hände zu sehen, die sich ob der vermeintlichen Pfiffigkeit ihrer Eigner gegenseitig fleischig feiste Schultern tätscheln.
Ein klein bisschen wünsch ich mir, dass sich ab Juni Säufer, Junkies und Penner akribisch an den Grenzen der Verbotszone entlang lümmeln und ihre Kippen, Flaschen, Exkremente und alles weitere fein säuberlich ins Grenzgebiet kullern lassen, vielleicht vor hübsch bürgerliche Geschäftseingänge.
Luur ooch von Melanie
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Das Bonner Loch… warum reißt nicht einfach mal jemand diesen Betonklotz daneben ab, kippt die Reste rein, macht ‘nen Eimer Muttererde drauf und pflanzt ein paar Blumen? Sinnvoll wär’s…
Ich find da auch einiges absurd.
a) Ich bin früher häufig spät nachts mit der U-Bahn vom Bonner HBF gefahren. Unsicher hab ich mich da nie gefühlt. Ist allerdings subjektiv und eventuell hat sich da auch was geändert.
b) Es gibt eine Anlaufstelle für dieses Klientel im Bonner Bahnhof die die Leute kennen, die entsprechend geschult sind. Die ziehen ja demnächst extra in die ehemaligen SWB Räume im Bonner Bahnhof um auch präsenter zu sein. Und dann verscheucht man die ensprechenden Leute. Dabei würde eventuell genau dieser Umzug zu mehr Sicherheit führen.
Ein *sichtbare* Polizeistelle wo man auch spät abends noch zieht, da ist jemand da erhöht das Sicherheitsempfinden ungemein.
Und ich meine auch Artikel (weiß aber nicht wo) gelesen zu haben, dass die Obdachlosen, die am Bahnhof rumhängen sich durchaus bewusst sind, dass ihre Duldung dort nicht selbstverständlich ist und aus dem Grund Krawallmacher in ihren Reihen eher weniger Chancen haben.
(Mal ganz davon abgesehen wie man das an Karneval, Rhein in Flammen etc. kontrollieren will)
Ich vermute mal ganz böse, es geht ums Geld. Der angrenzende Handel ist mit der Situation vor der Ladentür seit Jahren unglücklich und verlangt von der Stadt eine Lösung des Problems. Die ist so natürlich gefunden. Für den Handel. Jedoch nicht für die Stadt und erst recht nicht für die Menschen die da versacken.
Was die “Kontrollierbarkeit” der Kriminalität angeht, ist das Bonner Loch eigentlich gradezu ideal. Man weiß wo man seine Pappenheimer findet und kann sie gut im Auge behalten. Zugegeben, schön ist es da nicht. Aber passiert ist mir da ausser einer gesteigerten visuellen und olfaktorischen Belästigung bislang auch noch nichts.
Siehe auch: Mark > Wege aus dem Bonner Loch
Die Ergebnisse des Runden Tisches Bonner Loch
Florian Berger
Die Situation an der Kölnstrasse ist jetzt schon kaum noch zu ertragen. Ich wohn direkt um die Ecke und kann täglich zusehen, wie es monatlich mehr Menschen werden, die morgens schon ihr Bierchen/Schnaps im Plus kaufen, im Krankenhaus”garten” rumhängen, sich im Brunnen vorm Schlecker waschen und ihre frechen und völlig überflüssigen Kommentare zu jedem Mist abgeben. Leere Flaschen, die über Mauern fliegen, Hundescheiße & Kotze, Tüten voller Müll – gehört hier alles zum Alltagsbild.
Und da fehlt Präsenz von irgendeiner polizeilichen, sozialen oder sonstigen Stelle vollkommen. Als Anwohner hat man das Gefühl, die Verantwortlichen sind froh, dass die Jungs & Mädels nicht in der City rumhängen – aus den Augen aus dem Sinn. Dass die Anwohner in Castell dem überhaupt nicht entgehen können, wohingegen man das Bonner Loch ja einfach umgehen kann, indem man zum Beispiel oben in den Bahnhof spaziert, scheint auch niemanden zu interessieren.
Es ist zum Haare raufen – ich könnte mich auch SOO aufregen
Melanie,
dumm rumstänkern kann man genauso gut wie Sündenböcke suchen. Welche Ideen hast du denn, um der Verpennerung der Innenstadt entgegenzuwirken?
Ich hoffe, dass das Alkoholverbot wenigstens dafür sorgt, dass der Bonner Hauptbahnhof als Eingang zur Stadt für Geschäftsleute und Touristen endlich etwas anderes zu bieten als Alkoholiker, Junkies und Rumhänger, zwischen denen man sich hindurchaalen muss.
Die ganzen Drogenberatungs- und Obdachlosenbetreuungsprogramme haben doch offensichtlich bislang keine Früchte getragen.
Max
Max,
danke für Deinen freundlichen Wortbeitrag. Vielleicht stänkere ich nur dumm rum, mit Sicherheit habe ich hier keinen Lösungsvorschlag parat, mit genau so großer Sicherheit kann ich jedoch auch meinen Standpunkt vertreten, dass es wenig Sinn macht, die “Verpennerung” in die Wohnviertel, in den Hofgarten, die Kölnstrasse etc. zu verlegen. Denn da muss ich Jessi recht geben, am Bahnhof gibt es zumindest die Präsenz der Polizei und soziale Einrichtungen, die mit Rat und Hilfe als Ansprechpartner bereit stehen. Das schützt alles in allem nicht nur die Passanten sondern auch die Betroffenen vor kriminellen Übergriffen. Das heißt mit Sicherheit nicht macht einfach weiter, lasst es wie es ist, aber es heißt denkt noch mal darüber nach, bevor Ihr jetzt schnell schießt und dann die Probleme langfristig nur vergrößert. Denn wie gesagt, gelöst ist so nichts. Man kann ohne weiteres immer ein hübsch frisches T-Shirt anziehen, das sieht nach aussen gut aus, wenn man sich jedoch nicht wäscht und auch nicht hin und wieder mal die Unterwäsche wechselt, fängt es irgendwann an zu stinken Max.
Melanie
Achso, Max, dumm rumstänkern machen immer die anderen, was? Das Alkoholverbot führt doch nur dazu, das die Szene wandert. Wenn Geschäftsleute gestört werden, “handelt” die Stadt, wenn aber Anwohner belästigt werden…
Ich hab vier Jahre in Bahnhofsnähe gewohnt, in der Zeit ist in unserem Haus zweimal der Fahradkeller ausgeräumt worden, einmal der Dachspeicher, einmal der Wagen aufgebrochen, wenn man aus der Wohnungstür trat, wurde gedealt usw. Nicht schön, das Ganze. Wenn das Problem jetzt durch ein Alkoholverbot in andere Stadtteile und Wohngebiete verlagert wird, ist das auf jeden Fall keine Lösung, sondern Symbolpolitik: Wir Stadträte, haben keine Idee, tun aber so, als würden wir das Problem Bonner Loch politisch angehen. Ein einfaches Verbot kommt an solchen Stellen immer gut, siehe Terrorismus und Luftsicherheitsgesetz oder Speicherung von Vorratsdaten…
Und übrigens: Man muss nicht gleich mit fertigen Konzepten kommen, um als Bürger sagen zu können, was einem nicht passt.
Max: Ich würde mich auch freuen, wenn die Obdachlosen vom Bahnhof verschwinden würden. Dann sieht es durchaus angenehmer da aus.
Dieses Konzept mag das vielleicht auch bewirken. Nur leider sieht es dann vielleicht am Bahnhof besser aus, aber woanders deutlich schlimmer. Denn am Bahnhof gibt es Polizei, gibt es entsprechende Anlaufstellen. Im Endeffekt wird es übers gesamte Stadtgebiet betrachtet mit großer Wahrscheinlichkeit schlimmer. Daher halte ihc dieses Konzept für einen Schnellschuss aus der Hüfte. Wenn sollte man mindestens den Umzug der Wache Gabi abwarten und schauen wie sich die Situation dann entwickelt.
Die Obdachlosen machen übrigens grade mal ein Drittel des Volks am Bonner Loch aus. Und die brauchen irgendwo ein Plätzchen, nach Möglichkeit eines, wo sie sich nicht den Arsch ganz und gar abfrieren und eines wo sie eine Chance auf ein paar Kröten haben.
Tja, gelöst ist das Problem mit dem Alkoholverbot ganz sicher nicht. Dennoch finde ich es in Ordnung. Ich fahre nun seit fast 6 Jahren fast jeden Werktag mit der Bahn zur Arbeit, und somit komme ich auch fast immer am Bonner Loch vorbei. Das sich dort Obdachlose etc. aufhalten stört mich eigentlich gar nicht. Ich finde es weitaus unangenehmer, sich erstmal durch Junkies und Besoffene zu den Rolltreppen (ich habe meist mein Fahrrad dabei) durchzukämpfen, um dann in der Unterführung von oftmals großen Gruppen hustender, rauchender, saufender und stinkender Menschen empfangen zu werden.
Das klingt vielleicht hart, aber Political Correctness hilft halt nur selten. Ich bin sehr gespannt, wie die neue Polizeiwache und Anlaufstelle die Situation in der Bahnhofsunterführung verändern wird.
Und mal aus Bürgersicht gesprochen: Ein Bahnhof ist fast immer ein Tor zur Stadt. Touristen und Besucher behalten die ersten Eindrücke am Bahnhof in Erinnerung, und ich bin es leid immer erklären zu müssen, das Bonn hinter dem Bahnhof wirklich schön wird!
Meinetwegen könnte man das Bonner Loch wirklich als Baugrube für den Schutt der umstehenden Gebäude verwenden, und bei der Gelegenheit gleich die Bahnhofsunterführung mit Beton ausgießen.
Das löst zwar nicht die Probleme, aber man kann halt nicht alles haben…
Einem gesellschaftlichen Problem mit Verboten zu begegnen verspricht nicht gerade viel Erfolg.
Aber wenn wir schon dabei sind:
Ich bin für den Ausbau des Bonner Lochs. Dann gibt es eine hübsche Oberstadt und eine dreckige Unterstadt á lá “Mad Max”. Dann sieht die Oberschicht auch nicht mehr die Unterschicht und das Zwei-Klassen-Problem ist, frei nach städtischer Anordnung, gelöst. Jeder aus der Unterstadt, der ungefragt und ungewaschen die Oberstadt betritt wird, frei nach “Judge Dredd”, für jeden Scheiss bestraft/verhaftet.
Hach, wie Fernsehen doch bilden kann… ^^
Lieber Karsten, vielleicht kann man nicht alles haben, ich bin mir sogar sehr sicher, dass Du damit absolut recht hast, genau so sicher bin ich mir aber auch, dass man nicht versuchen sollte Probleme so kurzsichtig zu kaschieren, denn hier ist nicht viel Phantasie gefragt um sich die Verschlimmerung der Problematik auszumalen. Ja, der Bahnhof ist das Tor zur Stadt. Das gilt in jeder Stadt und in nahezu jeder Stadt ist der Bahnhof auch der Bereich in dem sich das zwielichtigste Volk tummelt. Damit steht Bonn nicht allein da. Geh in Köln mal Richtung Brüssler Platz raus. Denk mal an Frankfurt vor 10 Jahren. Was übrigens ein gutes Beispiel ist. Da hat auch nur langfristige und sorgfältige Arbeit dazu geführt, das die “Bronx” wieder ein bebummelbarer Stadtteil wurde.
Was hieran einfach stinkt, ist das für jammernde Geschäftsleute eine Haurucklösung umgessetzt wird, die für das “einfache Volk” extrem unschöne Folgen haben wird. Ich für meinen Teil wühl mich lieber auf dem Weg zum Bahnhof durch einen Haufen von Trinkern und Junkies als auf dem Weg zu meiner Haustür. Komm mal bei schönem Wetter in der Kölnstrasse vorbei, am besten wenn der Brunnen wieder an ist. Du wirst sehen, dass Jessie nicht übertreibt. Das schlimme daran ist, dass da auch Kinder spielen.
Ich habe mich sehr gefreut, dass das geplante Alkoholverbot im Bonner Loch in diesem Blog kontrovers diskutiert wird. Zur Zeit ist zu befürchten, dass dies kontroverse Debatte in der Kommunalpolitik gar nicht stattfinden wird und die ordnungsbehördliche Verordnung umgesetzt wird.
Man kann der Meinung sein, dass die Szene im Bonner Loch ein Problem ist und das hier “entzerrt” werden soll. Dieser Argumentation wäre der eintretende Verdrängungseffekt entgegenzusetzen, der schon heute zu beobachten ist.
Allerdings müssen sich in dieser Angelegenheit die Befürworter einer Verdrängung auch die Frage nach den Mitteln gefallen lassen. Der Zweck heiligt nicht alle Mittel und hier wird ein Freiheitseingriff für alle Bürgerinnen und Bürger vorgenommen um ein sozialpolitisches Problem zu “lösen”. Eigentlich ein Armutszeugnis für unsere Bemühungen etwas gegen Sucht und “Verelendung” zu unternehmen, dass man sich nur noch dieses Mittels zu bedienen können glaubt.
Aber an Karneval wird man sicherlich eine “rheinische Lösung” finden um die Feiernden nicht zu stören. Ein entsprechender Ausnahmepassus befindet sich schon im Entwurf der Verordnung. Ziemlich verlogen wie ich finde.
Zu befürchten bleibt auch, dass die Verabschiedung einer ordnungsbehördlichen Verordnung einen Dammbruch darstellen wird und man künftig auch bei anderen kommunalen Problemen den Weg der Freiheitseinschränkungen gehen wird. Das sollte man bedenken.
Es wäre schön, wenn sich Bürgerinnen und Bürger, die diese Besorgnis teilen, gegenüber den verantwortlichen Kommunalpolitikern äußern würden (email-Adressen auf bonn.de). Denn sonst wird dort gar nicht zur Kenntnis genommen werden, dass es diese Besorgnis überhaupt gibt.
Der ganze Vorgang macht mich richtig, richtig wütend. Ich bin vor einigen Jahren als Student nach Bonn gekommen und zugegeben: Ich habe mich gewundert, dass eine überschaubare Stadt wie Bonn über eine solch massive, offene Drogenszene verfügt. Keine Ahnung warum offensichtlich Junkies aus ganz Deutschland sich in diesen hässlichen Betonklotz verliebt haben. Vielleicht weil Beton schneller trocknet als Rasen? Mir hat mal ein Obdachloser erzählt, er verbringe den Winter in Spanien und den Sommer in Bonn am Loch. Aha. Trotzdem: Diese Verordnung ist der Wahnsinn in Dosen. Jetzt hängen die Ex-Lochanhänger natürlich im Hofgarten und an dem Brunnen bei der kleinen Unterführung am Bahnhof ab. Sogar im ruhigen Poppelsdorf, welches vormals nur eine kleine Gruppe Stammalkoholiker (5-8 Leutchen, man kennt sisch, man hilft sisch) verfügte, habe ich schon Klientel von ganz anderem Kaliber gesichtet. Aber ich sollte mich, falls ich die Stadt Bonn richtig verstanden habe, freuen, gell? Weil ich jetzt ganz unbehelligt am Bonner Loch Fußball spielen und chillen kann, ohne mich “belästigt” zu fühlen. Das ist doch ein schlechter Scherz. Der Hofgarten war immer ein prima Platz, um in Ruhe etwas Sonne zu genießen, den ein oder anderen Ball zu kicken und abends ein Bierchen zu zwitschern. Nun ist es nur eine Frage der Zeit bis sich irgendein armer Tropf in die erste Spritze setzt. Die Aufteilung war doch prima. Die harten Jungs sitzen schön auf einem Haufen, ne schicke neue Wache wurde eingerichtet, alles prima im Blick der Ordnungsmacht. Und dieser häßliche Betonklotz hat einen Nutzer gefunden. Man hätte ihnen ein paar Bäumchen und Blümchen pflanzen sollen, damit es nicht gar so trist erscheint. Haben etwa die Insassen der neuen Wache Gabi sich belästigt gefühlt, in ihrem neuen, cleanen Alltag? Mir geht echt der Hut hoch, wo ist die Perspektive? Von einer großen Kontrolettibewegung, die Bonn als Junkiestandort restlos unaktraktiv machen soll, kann ich nichts erkennen. Und so erscheint mir die Gesamtaktion einfach nur undurchdacht und unausgegoren. Das Wählerpotential, welches in schicken Vorstadtvillen wohnt, muss sich jetzt beim Anblick des Loches nicht mehr ekeln. Super. Und was ist mit uns Studenten und anderen aktiven Stadtbewohnern?? Wenn die Stadt Bonn wirklich gegen Drogenkonsum vorgehen hätte wollen, wären andere Wege offen gewesen. Mich amüsiert, seitdem ich hier wohne, die gelegentliche Lektüre des Presseportals der Polizei Bonn. Immer wenn ich in der Stadt so eine Kolonne Mannschaftswagen mit furchtbar gefährlich aussehenden Polizeikampfanzugtruppen in s Loch einmarschieren sehe, kann ich den Bericht kaum abwarten. Das letzte mal war es glaube ich eine Konsumeinheit Kokain. Einige Tabletten Pharmazeutika ohne Rezept und ein evtl. geklautes Handy.. Kommt schon, das ist nicht euer ernst. Wenn ich mir nur 10 Minuten Zeit nehme, erkenne ich schon Teile des Verkaufssystems, was geht dann erst, wenn man sich das eine Woche anschaut. Ich musste mir schon (unfreiwillig) so viele Deals reinziehen. Vom kleinen eine-Hand-zur-Anderen-Deal bis zu einem ganzen Rudel düster dreinblickender Russen, das den Kunden in Spe zum Bankautomaten begleitet. Es müsste doch für Profis (das ist die Polizei) ein Leichtes sein, Schritt für Schritt einen nach dem Anderen einzukassieren und dann als Haftalternative den Resozialisierungseinrichtungen und Entzugskliniken näher zu bringen. Final glücklich mit ihrem Schicksal sind unsere Mitbürger vom Loch wohl eher nicht. Gut, jetzt habe ich ein wenig Dampf abgelassen und hoffe, dass einer der Besserverdiener unter den Lochfans Klage einreicht, gewinnt und alles wieder seine gewohnten Wege gehen wird. Und dann kann man nochmal über konstruktivere Maßnahmen nachdenken. Kleine Anekdote zum Schluß: Szene vor dem Bahnhof. Ein Papa radelt mit seinem Sohn im Anhänger bedächtig im Schrittempo am Loch vorbei. Im Vorbeigehen sehe ich Polizei auf ihn zukommen. Das freundliche Angebot: Ein Bußgeld, wegen Fahrradfahren in der Fußgängerzone. Ich bleib e stehen und betrachte völlig entgeistert diese skurrile Szenierie (der Papa guckt genauso). Und während die Polizei auf ihr Vorgehen besteht, sehe im Hintergrund – Blick rechts, Blick links – wie ein Mann und eine Frau Geld gegen Ware tauschen. Tja, was soll man noch dazu sagen?
Zerknirscht und etwas ratlos, Johannes