Quatsch keine Oper: Hader muss weg!
Er ist der ist der Größte und Dank “NEUES aus der Anstalt”, “Scheibenwischer”, “Mitternachtsspitzen” und der Verfilmungen der Brenner-Krimis von Wolf Hass mittlerweile in Deutschland auch jenseits Bayerns bekannt: Josef Hader. Am Freitag, den 21.11., spielt er sein aktuelles Programm “Hader muss weg!” in der Bonner Oper. Der Abend sei jedem Leser und jeder Leserin wärmstens ans Herz gelegt.
Es beginnt mit einer Panne: Der Techniker erklärt dem Kabarettisten Josef Hader hinter der Bühne, dass sich dessen Auftritt verzögern wird – woraufhin Haders Schimpftirade über Gott und die Welt ungewollt im ganzen Saal übertragen wird.
Danach startet Hader eine Odyssee durch die Nacht, eine Nacht, in der er verschiedene Personen spielt: einen opportunistischen Hader-Fan und dessen Frau – beide mit Eheproblemen -, einen faschistoiden Tankstellenpächter, einen russischen Erpresser, dessen Lockvogel sowie einen abgehalfterten Barpianisten. Die Figur Josef Hader spielt ab Mitte der ersten Programmhälfte nur noch als Leiche mit.
Pressestimmen:
“Dann stürzt er in den Zuschauerraum, im Mantel Kottans (den Lukas Resetarits einmal spielte, Haders Lehrmeister) und in der Haltung derer, die er in Filmen so fabelhaft spielt, die in sich völlig Eingeschlossenen, gekrümmt, immer auf Verteidigung eingestellt. Er telefoniert mit seiner Frau. Ein Gespräch über die Beziehung, die längst keine mehr ist. Das ist Haders Thema: die Missverständnisse zwischen den Geschlechtern, die Unmöglichkeit von Nähe.
Anders als noch in „Privat“, wo er mit seinen biografischen Bekenntnissen irritierte, ist „Hader muss weg“ nur noch ein Spiel, ein Schauspiel. Er spielt mit Hader, dem besten Kabarettisten, dem gefragten Filmstar, der seine Fans missgelaunt abkanzelt und sich doch schmeicheln lässt. Dann kommt sein Fahrer von der Straße ab. Ein Unfall in öder Gegend, wo er von einem bankrotten Tankstellenbesitzer erschossen wird. Hader ist tot, aber Hader macht weiter in Gestalt von mindestens sieben anderen Figuren. In der Sparsamkeit virtuos sind diese Verwandlungen (Regie: Petra Dobetsberger). Mühelos verwickelt er bis zu drei Figuren in einen Dialog, hält er die Handlungsstränge dieses Krimis zusammen, der bis ins Prostituiertenmilieu führt. Von total verpfuschtem Leben handelt dieser Abend, von Menschen, die zur Verteidigung ihres Besitzes über Leichen gehen, die nur noch Emotionen zeigen, wenn der Lack ihres Skodas zerkratzt wird. Zum Schluss hat Hader drei Tote auf die Bühne gespielt und steht unbeschädigt da, in der Hand ein Handy für eine Kommunikation über die Unmöglichkeit der Kommunikation. Kein Lichtblick, nirgends; finsterer geht’s nimmer. Ein perfekter Abend mit brillanten, die Sprache auf ihr Zerstörungspotenzial durchleuchtenden Texten. Weit weg vom Kabarett, ganz nah an einem Theater, das solche Nähe zur Realität selten erreicht.“
Thomas Thieringer, Süddeutsche Zeitung
„Hader erzählt eine rasante Pulp Fiction-Geschichte. Aber er erzählt sie nicht wirklich, da es weder einen auktorialen noch einen Icherzähler gibt: Hader reiht eineinhalb Stunden lang konsequent Dialog an Dialog. Die insgesamt sieben Charaktere, die er abwechselnd verkörpert, sind nicht so sehr durch Gestik definiert, aber durch Stimme, Sprache, Lachlaute. Und Hader macht das, wie gewohnt, hervorragend.“ Thomas Trenkler, Der Standard
„Er ist trotz allem Neubeginn ganz der Alte: mit poetisch-skurrilen Einsprengseln, mit absurden Gedankenkapriolen. Zehn Jahre hat es gedauert, bis dieses neue Programm auf die Bühne kam. Sein letztes, „Privat“, zitiert er am Ende des neuen auf seine eigene, ausscheidungsorgan-betonte Art. Ob „Hader muss weg“ nun ein Abschied von alten Formen ist, vom Monologisieren hin zum Theaterhaften, oder ob auch das nur ein böser kleiner Scherz ist, das ist eigentlich egal. Sicher ist: Das Warten hat sich gelohnt.“ Christina Böck, Die Presse
„Hader zeichnet beängstigend lebendige Karikaturen, lässt Psycherln, Monster der Spießigkeit, Gefühlsabstinenzler und andere Ungustel auftreten. Mit verbaler Rauflust übertritt er alle Schmerzgrenzen, presst sogar dem Abgründigen, Ung´schmackigen und allzu Menschlichen noch ein Weglachen ab. „Hader muss weg“ ist das Schwärzeste seit den Monty Pythons.“
Werner Rosenberger, Kurier Nachtkritik
Luur ooch von Mark
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