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Liebe “Bürgerbewegung” Pro NRW,

2009 März 29
by gastbeitrag

als ich gestern morgen die Post aus dem Briefkasten geholt habe, musste ich mich von Deinem Flugzettel “Nein zu Großmoscheen, Minaretten und Muezzinruf!” belästigen lassen. Ich wurde von Dir aufgefordert, die “islamistische Terrorgefahr” zu bekämpfen, die Deiner Meinung nach von Moscheen ausgeht. Da ich generell ein recht neugieriger Mensch bin, habe ich allem Widerwillen zum Trotz mal weitergelesen.

Wenn ich das richtig verstehe, geht es Dir um mein Heil. Hast Du Angst, dass ich von den “Fundamentalisten, Hasspredigern und Terrorzellen” vor meiner “eigenen Haustüre” geschädigt werde, an Leib oder Leben oder beidem. Ich muss gestehen, ein Blick aus meinem Fenster trägt nicht unbedingt dazu bei, zu verstehen, was Du mir sagen willst: es ist Samstag, es sind die “Suburbs von Bonn”, die Leute waschen ihre Autos. Sehr deutsch. Finde ich. Aber ich kann mich natürlich täuschen. Also erstmal weiterlesen.

Jetzt geht’s um die Kölner Vorortzüge und die Sauerländer Terrorzelle, stimmt, das hätte böse ins Auge gehen können, ist aber nicht zuletzt auch durch völlig unschäublische Ermittlungsarbeit verhindert worden. Aber gut, Schäuble ist wohl sowieso ein schlechtes Thema und Polizei auch, denn schließlich ignorieren Deiner Meinung nach Grüne, SPD, FDP und CDU das Thema und übertreffen sich gegenseitig in ihrer “naiven und gefährlichen Toleranzrhetorik”. Sorry, was? Du hast mich schon wieder verloren, ich kann Dir nicht folgen. Also weiter, Mohammed Atta hatte Komplizen in Duisburg beklagst Du. Vergisst dabei aber scheinbar, dass Atta fast zehn Jahre in Hamburg Harburg gelebt hat. Das ist zwar weiter oben, aber auch noch in Deutschland. Du weißt schon oben im Norden, da wo die Menschen alle groß, blond und… egal ich schweife ab. Also Atta hatte scheinbar Komplizen in Duisburg und die Komplizen sind in die Moschee in Duisburg gegangen… richtig, darum ging’s ja, Moscheen verhindern… ich hatte es schon fast wieder vergessen.

Also weiter, Du beklagst, dass die deutschen Parteien nichts machen, sich den Zusammenhängen zwischen der “wachsenden islamischen Parallelgesellschaft in muslimisch geprägten Einwandererghettos und der Gefahr islamistischen Terrors” versperren. Wie jetzt Ghettos? Hast Du nicht grade noch gesagt, dass die Hassprediger, Fundamentalisten… vor unserer Haustür sitzen? Wie kommen die denn jetzt ins Ghettos? Meinst Du Köln-Ehrenfeld? Die Ecke wo Du versucht hast gegen den Moscheenbau zu protestieren? Hat damals nicht ganz so geklappt wie Du Dir das vorgestellt hast, hm? Naja, ist ja auch nicht leicht mit Frau Wolter, die scheint ja nur bedingt linientreu zu sein, verdammt, ich schweife schon wieder ab. Sorry.

Ehrlich? Ich versteh das nicht, und werde auch das Gefühl nicht los, dass Du selber keine Ahnung hast, wovon Du sprichst. Du beklagst die “kulturelle und ethnische Überfremdung” unserer Städte, willst die “Ausbreitung der islamischen Parallelgesellschaft” unbedingt verhindern und meinst, dass das Recht auf die freie Religionsausübung nicht das Recht auf “protzige Großmoscheen” beinhaltet. Du betonst auch, dass der Gesetzgeber hier “mit Mitteln des Baurechtes und anderer Verwaltungsvorschriften”, quasi von hinten durch die Putzfrau ins Auge, aber will ja leider nicht… und deshalb siehst Du Dich veranlasst in unser aller Namen mal auf den Tisch zu hauen und klarzumachen, dass da so nicht geht und dann forderst Du mich auf Unterschriften für eine Petition zu sammeln, die den Moscheenbau verhindert. Ich hab immer noch nicht verstanden, was der Umstand, dass ich vor den Terroristen vor meiner Haustür (die waschen übrigens immer noch Autos) in Acht nehmen soll, mit dem Bau einer Moschee zu tun hat, ausser, dass Dir die generell scheinbar als zu protzig erscheint.

Aber egal, jetzt sag ich Dir mal was, ich mag das nämlich überhaupt nicht, wenn jemand meint, er könne sich hinstellen und behaupten er spreche für mich. Ich bin dankbar für die kulturelle Vielfalt in unseren Städten, für die daraus gewachsene Toleranz, die in vielen eher ländlich geprägten Regionen noch nicht angekommen ist. Ich bin froh und dankbar in einer Gesellschaft zu leben, in der die Hautfarbe und der Glaube eines Menschen nicht seinen Wert bestimmt. Ich bin froh darüber, dass unsere Strassen und Wohngegenden immer bunter werden, empfinde das als Bereicherung und bin fest davon überzeugt, dass wir nur davon profitieren können, wenn wir einander offen begegnen und uns bemühen von ein ander zu lernen. Und ich bin dankbar dafür, dass der Gesetzgeber nicht mit verdrehten Vorschriften versucht den Bau von Moscheen oder anderen Gotteshäusern zu verbieten. Integration ist eine gute Sache, aber sie muss auf beiden Seiten geschehen, nicht nur der der nach Deutschland zieht muss versuchen sich zu integrieren, auch der, der zur Seite rückt und ein wenig Platz für den macht, der dazu kommt, muss bereit sein, anzuerkennen, dass er damit auch Raum für Fremdes und Unbekanntes macht. Eine Moschee zu zulassen ist ein wenig wie im Schrank ein paar Regelbretter freizumachen, für den Partner der in Deine Wohnung gezogen ist. Man bereitet gemeinsam ein zu Hause. Und ich glaube wir sind auf einem guten Weg hier, wenn auch lange noch nicht am Ziel. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, wo wir heute während, wenn Völker nicht wandern würden? Wenn die Menschen sich nicht “mischen” würden?

Und ganz ehrlich? Wenn ich keinen anderen Grund hätte dankbar für die kulturelle und ethnische Vielfalt zu sein, so wäre ich es spätestens jetzt, nachdem ich diesen Dreck aus meinem Briefkasten ziehen musste. Denn mit Kroppzeug möchte ich weiß Gott (Allah, Jehova, Buddha,…) nicht allein sein.

Übrigens: Die Attentäter von Winnenden, Emsdetten und Weimar waren Deutsche um nur einige Beispiele zu nennen. Jede Gesellschaft hat ihre schwarzen Schafe, schaut nur in den Spiegel, da seht ihr die besten Beispiele dafür!

Luur ooch von gastbeitrag

13 Responses leave one →
  1. März 29, 2009

    Bravo – mir aus dem Herzen geschrieben!

  2. März 29, 2009

    Ja, da kann ich mich nur anschließen :)

  3. März 30, 2009

    Ach herrje, gibt es etwa auch in Bonn so eine PROirgendwas-Bewegung? Die Islamophoben werden’s nie lernen! Schöner Beitrag jedenfalls. Wer ist denn eigentlich der geschätzte Gastautor? :)

  4. März 30, 2009

    Sehr richtig! Wieso nennen sich solche Leute eigentlich PRO irgendwas, wenn sie doch eingentlich KONTRA sind?

    Und mich würde auch interessieren, wer “gastbeitrag” ist. Vielleicht kann man ihm/ihr dann ja auch mal im echten Leben beipflichten? :)

  5. März 30, 2009

    Die sind ja Pro NRW (Köln, Bonn noch nicht, das will wohl nicht klappen, etc. pp.) und Kontra alles was fremd ist. Hirn zum Beispiel ;) Was unsere Gastautoren angeht, so schützen wir deren Privatsphäre natürlich, denn die nicht ganz mittig orientiere Szene ist seit jeher dafür bekannt, dass sie gern Adressen sammelt und auf schwarze Listen setzt. Da will man ja auch nicht unbedingt drauf ;)

  6. Pro NRWler permalink
    Juli 29, 2009

    Leute wie Melanie sind doch gar nicht zu einer inhaltlich-politischen Auseinandersetzung fähig. Einen Unsinn in die Welt setzen, die pro-Bewegung müsse sich der Gewalt als Mittel der Politik bedienen. Wer hier bedrängt wird, ist eindeutig die pro-Bewegung. Unsere Leute werden öffentlich bepöbelt und bedroht, so auch in Bonn.

  7. Juli 29, 2009

    Schlechter Versuch, ProIrgendwasler, ganz schlechter Versuch.

  8. Pro NRWler permalink
    Juli 30, 2009

    Was soll denn an meinen Ausführungen falsch sein? Bitte konkret werden und nicht irgend etwas daherblubbern.

  9. Juli 30, 2009

    Don’t feed the trolls!

  10. Pro NRWler permalink
    August 4, 2009

    Sehe ich auch so Herr Mark Troll!

  11. K. Punkt permalink
    August 5, 2009

    Pro NRWler, Du bist hier sowas von allein. Bevor Du andere tollig anmachst, lies doch erst einmal, was geschrieben wurde.

  12. August 5, 2009

    Lieber Pro NRWler,

    da hier scheinbar ein kleines Missverständnis vorliegt hier eine kleine Hilfestellung zum besseren Verständnis des Begriffs “Troll”:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29

    Mit besten Grüßen

  13. August 12, 2009

    uii – feiner Text!!!

    Da wird einem Bonn doch gleich viel sympatischer – nicht zuletzt weil es täglich weniger Pro NRW Plakate gibt…

    Es lebe die Vielfalt und Menschlichkeit!!!

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