“Ishan Celik für den Bonner Rat”?
Am 30. August 2009 wird zeitgleich zur OB-Wahl auch der Bonner Stadtrat neu gewählt. Ein sehr ausdauernder Wahlkämpfer ist dabei der Bonner Ishan Celik. Jeder der in Altstadtnähe wohnt ist ihm bestimmt mal über den Weg gelaufen oder hat zumindest das Plakat gesehen. Wir waren neugierig und haben uns mit ihm auf einen Kaffee getroffen, um zu erfahren, was den parteilosen Kandidaten umtreibt.
bnlog: Herr Ihsan, Sie kandidieren für den Bonner Rat – wie kam es dazu?
Ishan Celik: 1999 war die Wahlbeteiligung in der Altstadt bei ca. 50%, 2004 ebenfalls niedrig, auch 2009. Das Ziel der Parteien ist nicht die Nähe zu den Menschen. Die Parteien sind zu weit entfernt. Die Menschen sind so was wie Außenseiter bei den Parteien. Bei konkreten Problemen bekommt man keine Antwort. In der Altstadt gab es z.B. den Wunsch eine öffentliche Toilette einzurichten – niemand wollte sich darum kümmern. Aber es ist wichtig, sich um Probleme vor Ort zu kümmern.
bnlog: Warum kandidieren Sie nicht für eine Partei?
Ishan Celik: Die Wünsche der Wähler werden dort nicht ernst genommen. Mindestlohn z.B. ist eine Schande für jede Person, jeder Mensch hat das Recht für gute Arbeit, gutes Geld zu verdienen. Wenn ein Arbeiter 20 Jahre lang arbeitet, muss er eine Wohnung besitzen können, aber das ist zur Zeit nicht möglich. Nicht mit niedrigen Löhnen.
bnlog: Aber Parteien legen doch keine Löhne fest, das geschieht auf dem Arbeitsmarkt.
Ishan Celik: Wenn die Stadt (die Arbeitsagentur) ein Euro-Jobber anbietet, dann drückt das die Löhne. Wer nicht mitmacht, bekommt weniger Geld. Auch die Gewerkschaften halten zusammen, sie machen mit beim Mindestlohn. Mit 7 Euro Mindestlohn und 140 Std. sind das 980, ungefähr 780 Euro netto. Damit kann man keine Miete zahlen, Kinder groß ziehen oder ein Haus kaufen. Das ist nicht ok!

Parteien machen Gesetze, die alles teuerer machen: Wohnen, Lernen (Universität), Lebensmittel und Gesetze, die die Arbeit billiger machen. Politik muss eigentlich für die Menschen gemacht werden. Die Menschen wissen, dass Parteien zu weit weg sind vom Leben.
bnlog: Es scheint deutlich schwieriger, ohne Partei im Rücken wahrgenommen werden. Wie sind die Reaktionen der Bonner auf der Straße?
Ishan Celik: Das sind sehr freundliche Reaktionen. Bonner unterstützen mich, gerade in der Altstadt, meinem Wahlbezirk. Ich habe in fast 4000 Wohnungen meinen Lebenslauf hinterlassen. Fast 400 Leute haben mir schon klar gesagt, sie geben mir ihre Stimme. Ich kämpfe noch bis zum 30.8. jeden Tag auf der Straße und hoffe, ich werde meine Stimmen bekommen.
bnlog: Was sind ihre konkreten Ziele, wofür möchten Sie sich einsetzen?
Ishan Celik: Meine Ziele im Stadtrat sind: die Kanalisation für alle verfügbar machen, die Telekommunikation, die Elektrizität, Wasserleitung sollen ohne Probleme da sein, Sauberkeit der Straßen, genügend öffentliches Personal. Wer ein technisches Problem hat, hat einen Anspruch, das auch sofort gelöst zu bekommen. Bei finanziellen Problemen auch.
Die Arbeit wird verschwinden aufgrund der technischen und wissenschaftlichen Entwicklung. Wir müssen sehen, wie wir als Menschen damit umgehen. Das ist die Entwicklung der Gesellschaft. Es ist nicht schlimm, wir müssen nur unsere Rechte als Bürger gewaltig festhalten, deutlich verteidigen.
Außerdem: Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich die Häuser in Bonn höher bauen – bis zu 20 Etagen, um Wohnraum zu schaffen. Die Investoren, Parteien, die Stadt verhindern eine vernünftige Wohnpolitik. Andere Länder schaffen mehr günstigen Wohnraum z.B. durch ihre Zinspolitik. Dort sind die ökonomischen Bedingungen für das Eigentum „kleiner Leute“ besser. Das brauchen wir auch.
bnlog: Als Einzelkämpfer: Wie können Sie das umsetzen?
Ishan Celik: Wenn ich ein Mandat bekomme, werde ich täglich daran arbeiten. Den anderen 66 Stadträten werde ich meinen Ideen und Gedanken vorlegen. Ich werde mit jeder anderen Person im Stadtrat sprechen und sie davon überzeugen.
Auf Bitte von Ishan Celik, der ein gutes Deutsch spricht, wurden die Formulierungen an den Stellen, wo er das richtige Wort suchte, gemeinsam nachträglich angepasst.
Luur ooch von Mark
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Cool!
Wann gibts das Interview mit Enzo Pellarini?
“Meine Ziele im Stadtrat sind: die Kanalisation für alle verfügbar machen, (…)”
Bitte WAS will der? Ihr habt das Interview ganz sicher schon zusammen überarbeitet? Hm, und 20-stöckige-Hochhäuser in Bonn als Wohnraum, da kann ich nur sagen: Willkommen in Hongkong. Nee sorry, ich find’s gut, wenn mal eine schillernde Gestalt kandidiert als die üblichen reichen Anzugträger. Aber meine Stimme bekommt der so nicht…
“Außerdem: Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich die Häuser in Bonn höher bauen – bis zu 20 Etagen, um Wohnraum zu schaffen.”
Mit Verlaub: Idiotisch.
Typisches Nörgler-Syndrom: Mir gefällt die Stadt so nicht, mach sie bitte anders. Dieses urbane, “kleinstädtische” Feeling von Bonn ist doch gerade genau dass, welches sein Flair ausmacht; sicherlich auch gerade der Grund, warum sich viele hier wohlfühlen.
Ein Stadtbild aufgrund solcher Argumente zu “verbiegen” finde ich ehrlich gesagt unsinnig, zeugt von egomanischem “ich will hier was bewegen” Verhalten, genau das, was Celik bei den “Herren da oben” kritisiert.
Ich kann nur sagen: Wenn einem die Stadt (vor allem das Stadtbild) so nicht gefällt, dann hat man in diesem Land großartige Freiheitsrechte: Woanders hinziehen. Z.B. nach Hong Kong (danke Jürgen
)
Inhalte hin oder her. Da engaiert sich jemand und das ist gut so. Alle die Herrn Celik kritisieren sollen erstmal selber aktive politik betreiben. dann können sie auch ihre argumente gegen 20stöckige hochhöuser vortragen…
weiter so herr celik.
Ich halte Aktionismus nicht gerade für eine empfehlenswerte Tugend, wenn sie nur des Aktionismus wegen betrieben wird. Inhalte sind doch gerade in der Politik durchaus nötig (was ja auch gerade genau Hr. Celik’s eigene Kritik gegen die “großen” Politiker ist), oder nicht? Er sagt doch selber, die machen ja was, aber nicht das was richtig bzw. wichtig ist. Inhalte sind also durchaus Celik’s Programm. Ansonsten liegt hier ein Widerspruch vor.
Was den Vorwurf “macht doch bessere aktive politik” angeht: Nein, mache ich (und vermutlich viele andere auch) nicht, weil ich es nicht gut genug könnte. Muss ich aber auch nicht, um eine Meinung zu haben und eine bestehende zu kritisieren.
Wer anders denkenden empfiehlt nach Hongkong zu ziehen – weil es da so schöne hohe häuser gibt – sollte tatsächlich die Finger von Politik lassen.
Wer stringente Argumentation nicht beherrscht sollte die Finger von Blog-Kommentaren lassen.
*plonk*
Da sind wir uns ausnahmsweise einig!